Stampflehm – ein natürlicher und nachhaltiger Baustoff

Nachhaltigkeit und Innovation im Stampflehmbau – Forschung am gbd Prüf-, Technologie- und Ausbildungszentrum

Stampflehm gilt als einer der ältesten und gleichzeitig nachhaltigsten Baustoffe der Baugeschichte. Im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet man damit oft den Aushub, der beim Hausbau anfällt. Für die bauliche Nutzung muss dieser Boden jedoch bestimmte Anforderungen hinsichtlich Konsistenz, Korngröße und Zusammensetzung erfüllen. Deshalb wird der Lehm häufig aufbereitet und mit gezielten Zuschlägen wie Sand, Kies oder Tonmodifikatoren ergänzt, um seine Bauqualität zu optimieren.

Trotz dieser Aufbereitung bleibt Stampflehm ein nahezu unbegrenztes, natürliches Material. Zudem verursacht die Verarbeitung deutlich weniger CO₂-Emissionen als vergleichbare Produkte wie Zement, wodurch Stampflehm als klimafreundliche Alternative in der Bauwirtschaft immer relevanter wird.

Forschung am gbd Prüf-, Technologie- und Ausbildungszentrum

Seit 2018 widmet sich das gbd Prüf-, Technologie- und Ausbildungszentrum der systematischen Erforschung der Materialeigenschaften von Stampflehm. Ziel ist es, den Baustoff weiterzuentwickeln, um seine Einsatzmöglichkeiten im modernen Bauwesen zu erweitern.

In über 2.000 Prüfungen wurden zentrale Kennwerte analysiert, darunter:

  • Druckfestigkeit und deren Einflussfaktoren
  • Scherfestigkeit
  • Kriechen und Schwinden
  • Schalldämmmaß
  • Wärmeleitfähigkeit
  • Schraubenauszug

Besonderes Augenmerk liegt auf der Druckfestigkeit, die entscheidend für die Tragfähigkeit von Stampflehmwänden ist. Einflussgrößen wie die ideale Einbaufeuchte, die Schlankheit der Bauteile, Formfaktoren, die optimale Herstellungsweise und die Körnungsverteilung werden dabei intensiv untersucht.

Diese Forschung ermöglicht eine gezielte Anpassung der Materialeigenschaften an unterschiedliche Anwendungsbereiche – sei es in tragenden oder nicht tragenden Bauteilen – und trägt gleichzeitig den bauphysikalischen Anforderungen an Schall- und Wärmeschutz Rechnung.

Lehm-Holz-Verbund – Synergien zwischen natürlichen Baustoffen

Neben der reinen Lehmforschung beschäftigt sich das gbd-Zentrum mit der Kombination von Stampflehm und Holz. Lehm und Holz ergänzen sich in ihren Materialeigenschaften optimal: Während Holz für Tragfähigkeit sorgt, reguliert Lehm Feuchtigkeit und Temperatur und verbessert die akustische Dämpfung.

Ein praktisches Beispiel sind Deckenelemente, die von der Lehm Ton Erde Baukunst GmbH entwickelt wurden: Holzbalken übernehmen die tragende Funktion, während dazwischen gestampfte Lehmbögen eingesetzt werden. An diesen Verbundelementen wurden umfangreiche Prüfungen durchgeführt, darunter Trittschall- und Luftschallmessungen sowie Schwingungsanalysen. Sowohl fertig produzierte Elemente als auch gängige Fußbodenaufbauten wurden untersucht, um die Leistungsfähigkeit des Lehm-Holz-Systems im Praxisbetrieb zu validieren.

Die Ergebnisse dieser Forschung tragen dazu bei, Stampflehm als modernen, nachhaltigen Baustoff zu etablieren und zeigen gleichzeitig die Innovationskraft des gbd Prüf-, Technologie- und Ausbildungszentrums im Bereich ökologisches Bauen.

Trittschallprüfung an Holzbalkendecke zur Akustikbewertung im Bauwesen
Kategorie
Bau- & Umwelttechnik
Autor
Ing. Julian Pfefferkorn
Technisches Marketing

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